SCP-294-DE : Und Dann Gabs Keines Mehr

Informationen

Einzige bekanntes Bildmaterial der Eisnervilla, entnommen aus den Tagebüchern von Josef von Eisner. Bei den Personen wird vemutet, dass es sich um Hans und Leon von Eisner handelt, ca. 1913

Name: Und Dann Gabs Keines Mehr
Autor: ThePaperMask
Bewertung: 5/5
Erstellt am: Wed Nov 16 2022
Objekt-Nr.: SCP-294-DE
Klassifizierung: Memet1

Sicherheitsmaßnahmen

SCP-294-DE-03 bis -08 werden durch das als SCP-294-DE-01 bezeichnete Gebiet eingedämmt. Zusätzlich werden Zivilisten durch den anomalen Effekt von SCP-294-DE-01 unbewusst von diesem abgewiesen, wodurch eine Absicherung des Gebiets durch die Foundation nicht nötig ist. Dennoch wird SCP-294-DE-01 zu jeder Zeit mit einer Drohne überwacht. Sämtliche Auffälligkeiten in SCP-294-DE-01 werden dokumentiert und dem Standortleiter von Standort-DE10 gemeldet. Je nach Situation wird entschieden, ob eine Expedition zu SCP-294-DE-01 durch die MTF DE20-𝔇 (20-Delta, "Die Dachse") durchgeführt werden soll.

Bei allen Mitarbeiter, die im Zusammenhang mit SCP-294-DE arbeiten, sowie allen Mitarbeitern, die Zugriff auf die Akte von SCP-294-DE gewährt bekommen, wird ein Mnestika verabreicht, welches die antimemetischen Effekte von SCP-294-DE-01 negiert.

SCP-294-DE-02 wird im Leichenhaus von Standort-DE10 aufbewahrt. Weitere Sicherheitsmaßnahmen sind für SCP-294-DE-02 nicht nötig.

Beschreibung

Josef von Eisner (SCP-294-DE-02), ca. 1898. Maler unbekannt

SCP-294-DE-01 beschreibt ein kreisförmiges Gebiet mit einem Durchmesser von 200 m. Im Mittelpunkt von SCP-294-DE-01 steht die "Eisnervilla", eine Villa der Adelsfamilie von Eisner. SCP-294-DE-01 befindet sich im Norden der bayrischen Gemeinde Emskirchen. Bis auf die Eisnervilla befindet sich in SCP-294-DE-01 ausschließlich Wald.

SCP-294-DE-01 besitzt eine antimemetische anomale Eigenschaft, wodurch bei sämtlichen Personen, welche sich ein in SCP-294-DE-01 befindliches Objekt ansehen (sei es physisch oder durch Aufnahmen), die Existenz dieses Objektes nicht realisiert wird, und das Gehirn automatisch die Informationen über das sich in SCP-294-DE-01 befindliche Objekt ausblendet. Eine zweite, sekundäre anomale Eigenschaft ist die unterbewusste Abneigung, wodurch Personen nie das Verlangen verspüren, SCP-294-DE-01 zu betreten. In bisher allen Fällen haben Wanderer unterbewusst Umwege gesucht, um SCP-294-DE-01 zu vermeiden, sind sich dessen aber nie im Nachhinein bewusst. Recherche und Abgleiche mit einem Zauberbuch, das sich an SCP-294-DE-02's Leichnam befand, haben ergeben, dass es sich hierbei um ein dokumentiertes Ritual der Magierakademie handelt.

Es folgt ein Auszug mit dem relevanten Ritual:

Sämtliche Fassungen von SCP-066-DE im Besitz der Foundation beinhalten dieses Ritual nicht. Es wird somit davon ausgegangen, dass es sich um ein separates Buch mit anderen Zaubern handelt.

SCP-294-DE-02 bis -08 bezeichnet die deutsche Adelsfamilie von Eisner, bestehend aus:

  • Josef von Eisner (SCP-294-DE-02), geboren 1855, erlangte 1917 im Alter von 62 anomale Eigenschaften, verstarb 201█ im biologischen Alter von 64.
  • Josef's Sohn Alois von Eisner (SCP-294-DE-03), geboren 1880, erlangte 1917 im Alter von 37 anomale Eigenschaften.
  • Josef's Sohn Theodor von Eisner (SCP-294-DE-04), geboren 1883, erlangte 1917 im Alter von 34 Jahren anomale Eigenschaften.
  • Alois' Frau Regina von Eisner (SCP-294-DE-05), geboren 1881, erlangte 1917 im Alter von 35 Jahren anomale Eigenschaften.
  • Alois' und Regina's Sohn Hans von Eisner (SCP-294-DE-06), geboren 1898, erlangte 1917 im Alter von 19 Jahren anomale Eigenschaften.
  • Alois' und Regina's Sohn Leon von Eisner (SCP-294-DE-07), geboren 1898, erlangte 1917 im Alter von 19 Jahren anomale Eigenschaften.
  • Theodor's Frau Eva von Eisner (SCP-294-DE-08), geboren 1890, erlangte 1915 im Alter von 25 Jahren anomale Eigenschaften.

SCP-294-DE-02 bis -08 besitzen die anomale Eigenschaft des verlangsamten Alterns. Ein Jahr entspricht für die Zellstruktur von SCP-294-DE-02 bis -08 ca. eine Woche, wodurch die durchschnittliche Lebenserwartung auf ca. 4200 Jahre steigt. Abgleiche mit SCP-066-DE haben kein Ritual dieser Art finden können.2 Die Familie erlangte diese Fähigkeit 1917 durch Josef von Eisner selbst (siehe Anhang 2). Rosa von Eisner, Josef's Frau und Alois und Theodor's Mutter, verstarb noch bevor die Familie ihre anomalen Effekte im Jahr 1917 erlangten und wird somit nicht als SCP klassifiziert. Zudem existiert auch die 1905 geborene Magdalene von Eisner, wobei es sich um die Tochter von SCP-294-DE-04 und SCP-294-DE-08 handelt. Diese floh von der Eisnervilla im Jahr 1915 und zog zu ihren mütterlichen Großeltern. Magdalene von Eisner verstarb im Jahr 1977 an einem Herzinfarkt (Siehe Anhang 2 für weitere Information). ████████ █████████ Ulrike von Eisner, █████ 1905 ██████ █████ ███ ██ ██████ ████ ███ █████ █████████ ██████████ ██████

Aus unbekannten Gründen ist es SCP-294-DE-03 bis -08 nicht möglich, die Eisnervilla zu verlassen. Drohnenaufnahmen der Villa zeigen unbekannte Runenmarkierungen an sämtlichen Eingängen und Fenstern.

Entdeckung

Die SCP Foundation wurde 201█ auf SCP-294-DE aufmerksam, als sich SCP-294-DE-02 in der Emskirchener Stadtmitte durch einen Zauber das Leben nahm. Ein großflächiges Amnesikum der Klasse A wurde allen Zeugen verabreicht und die Leiche wurde zur Untersuchung nach Standort-DE10 gebracht. SCP-294-DE-02's Leiche wies keine anomalen Effekte auf und wurde ins Leichenhaus des Standorts verlagert. An seiner Person trug er eine Ausgabe des "kleinen Zauberbuchs", datiert 1910, sowie ein Buch, welches verbotene Rituale dokumentierte. Zusätzlich trug er zwei Tagebücher bei sich, durch welche die Foundation auf SCP-294-DE aufmerksam wurde. Anfangs wurden Gaap-Symbole für all jene Mitarbeiter verwendet, die mit SCP-294-DE arbeiteten, 201█ gelang es der Foundation ein Mnestikum zu entwickeln, welches kognitive Sperren der Magierakademie negiert.

Anhang 1

Es folgt ein Interview mit Dr. Matthias Crowley, einem ehemaligen Wissenschaftler von Standort-DE10 und Agenten der Magierakademie, welcher durch die Entdeckung eben jener aufgedeckt wurde und seitdem in Gefangenschaft sitzt.

Befragter: Dr. Matthias Crowley

Interviewer: Dr. Bell Ainsworth, Dr. Erik Thompkins

Dr. Thompkins: Ist ihnen der Name "Josef von Eisner" ein Begriff?

(10 sekündige Stille)

Dr. Crowley: Mein Professor erzählte Geschichten von einem Von Eisner.

Dr. Ainsworth: Was für Geschichten?

Dr. Crowley: Nie etwas konkretes. Nur… nur, dass von Eisner der brillianteste Zauberer war, den mein Professor jemals kannte.

Dr. Ainsworth: Sonst nichts?

Dr. Crowley: Doch. Erneut und erneut warnte man uns von den Gefahren der Magie. Man warnte uns, niemals verbotene Zauber du recherchieren. Diese führen in den Wahnsinn.

Dr. Thompkins: Von Eisner machte Gebrauch von diesen verbotenen Praktiken?

Dr. Crowley: So sagt man, ja. Eines Tages verschwand er spurlos. Er erschien nicht mehr zur Arbeit, der Vorlesungssaal blieb leer, und man machte sich Anfangs natürlich Sorgen.

(Längere Stille, ca. 16 Sekunden)

Dr. Crowley: Doch man hat nie wieder von ihm gehört. Es gibt Theorien was mit ihm passierte, einer der ersten Missionen der AISPS als diese gegründet wurde, war es, von Eisner aufzuspüren, aber selbst sie konnten ohne weitere Anhaltspunkte nichts finden.

Dr. Ainsworth: Also wurde die Suche aufgegeben.

Dr. Crowley: Man musste die Suche aufgeben, ja. Warum die Frage, wurde irgendwas über ihn gefunden?

Dr. Thompkins: Ich glaube, wir können das Interview hier beenden.

Nachwort: SCP-4684 wurde nach diesem Interview kontaktiert, und sämtliche archivierte Akten über Josef von Eisner wurde der SCP Foundation übergeben. Siehe Anhang 2.

Anhang 2

Es folgen alle Akten über SCP-294-DE-02 von SCP-4684.

AKTE JOSEF-01

Eine unser ersten Missionen besteht aus dem Lüften eines etwas älterem Mysterium der Magierakademie. Vor ca. 60 Jahren, 1915, verschwand ein wichtiger, hochranginger Akademiker und Professor der Münchener Magierakademie und es ist bis heute nicht bekannt, wohin dieser verschwand. Er selbst ist höchstwahrscheinlich mittlerweile verstorben, jedoch verschwanden mit ihm sowohl seine Söhne als auch seine Enkelkinder und Schwiegertöchter, welche heute eventuell noch leben. Es wird davon ausgegangen, dass von Eisner mithilfe von verbotenen Ritualen verschwand, weswegen dieses Mysterium nun in unseren Händen liegt.

Bisher wurden folgende Theorien aufgestellt:

Wenn ihr mich fragt ist Theorie 1 momentan die Wahrscheinlichste. Theorie 2 ist insofern unwahrscheinlich, da von Eisner in seiner Zeit ein sehr beliebter Mensch war. Man feierte ihn als einen der brilliantesten Akademiker der Münchener Akademie für Thaumatologie. Auch unter Studenten war er durchaus beliebt, mir fehlt da irgendwo das Motiv. Theorie 3 finde ich noch unwahrscheinlicher, da man hier ja erwarten würde, dass sich entweder Josef von Eisner selbst oder einer seiner Familienmitglieder irgendwann blicken lassen würden. Wo kriegen die ihr Essen und Trinken her? Warum verlässt keiner das Sperrzaubergebiet? Es macht alles nicht wirklich Sinn, die Theorie können wir eigentlich direkt verwerfen.

Alle, die diese Akte erhalten, sind hiermit dem Fall Josef von Eisner zugewiesen. Versucht herauszufinden, wo der Mann wohnte (was bis heute noch komplett unbekannt ist, anscheinend war sein Privatleben schon damals ein reines Mysterium) und versucht Menschen zu finden die ihn kannten und heute noch leben. Jeder Indiz, jedes Haar, alles was auch nur darauf hinweist, wo sich dieser Mann oder seine Familie befindet, wird sofort mir gemeldet.

München, der 2.5.1975
Polizeichef Fleischer

AKTE JOSEF-02

Entwicklungen im Fall Von Eisner sind erstaunlich langsam. Ich habe 20 meiner besten Jungs den Fall zugewiesen, und nach drei Monaten kommen alle mit leeren Händen zurück. Alle Entwicklungen der letzten Monate kann ich in zwei Stichpunkten zusammenfassen:

  • Es wurden damalige Studierende, die noch leben, befragt. Ein gutes Drittel litt an Demenz, wodurch eine Befragung relativ sinnfrei war. Die restlichen zwei Drittel zu befragen hat auch sehr wenig ergeben, nur, dass von Eisner ein guter Professor war, der Dinge gut erklärte, und alle sehr um ihn trauerten, vor Allem weil der Ersatzprofessor schlecht im Erklären war und schwierigere Klausuren entwarf.
  • Das Register der MAT wurde nach von Eisner's Adresse durchkämmt. Die Adresse führte in eine leere Lagerhalle in Augsburg. Das einzig Interessante dort war ein Briefkasten, in der Spuren eines ehemaligen Teleportationszauber gefunden wurden. Dieser Teleportationszauber wurde aber vor ungefähr 60 Jahren deaktiviert, vermutlich als von Eisner verschwand. Zusätzlich fand man dort Post der MAT und besorgter Kollegen und Studenten, die nach der Deaktivierung des Teleportationszauber im Briefkasten in Augsburg blieben. Abgleiche mit dem Einwohnermeldeamt und damaligen Akten ergaben, dass es sich bei der Lagerhalle um den Wohnsitz von Josef von Eisner und seiner gesamten Familie handelt. Aber da ist nichts! Und im Briefkasten kann man auch nur erkennen, das dort mal ein lokaler Teleportationszauber war, wohin dieser führte aber nicht!

Und das war's! Das war alles. Es scheint mir, dieser von Eisner ist schwieriger zu finden, als Anfangs gedacht. Jedenfalls ist durch so Dinge wie dem Briefkasten klar, dass von Eisner selbst das Verschwinden eingeleitet hat. Theorie 2 ist somit offiziell widerlegt.

München, der 25.8.1975
Polizeichef Fleischer

AKTE JOSEF-03

Detektiv Fritz Wagler des Nürnberger Quartiers machte heute Vormittag eine interessante Entdeckung. Etwas, dass uns allen anscheinend durch die Lappen ging - Rosa von Eisner, Josef von Eisner's Frau, wurde 1915 von einem Taschendieb in Nürnberg abgestochen und erlag ihren Wunden kurz darauf im Krankenhaus. 1915 ist auch das Jahr, in dem er verschwand. Wagler stellte nun die Theorie auf, dass der Tod seiner Frau von Eisner's Motiv der Flucht wäre. Dies würde Theorie 1 und 3 weiter bekräftigen (obwohl ich 3 nach wie vor für Humbug halte).

München, der 3.9.1975
Polizeichef Fleischer

AKTE JOSEF-04

Es kam endlich zu weiteren Entwicklungen. Und einer ziemlich großen - nach endlosem Durchkämmen von diversen Familienregistern und Bürgerämtern wurden wir am 20.12.1975 auf eine "Magdalene Willhelms, geb. von Eisner" aufmerksam. Und sie befand sich die ganze Zeit direkt vor unserer Nase - in München selbst, in Feldkirchen. Wir haben sie auch nur durch Glück gefunden, beim Durchsuchen sämtlicher Einwohnermeldeämter bayrischer Großstädte nach "von Eisner", und fanden sie dort. Abgleiche mit Familienregister der von Eisner Familie haben ergeben, dass es sich tatsächlich um eine Enkelin von von Eisner handelt. Hier allerdings das Problem - sie weigert sich zu einer Befragung. Sie will sich "nicht an diese Zeit erinnern". Wir sahen uns also leider gezwungen, sie festzunehmen. Der Fall Von Eisner ist mittlerweile eine Angelegenheit der persönliche Würde unserer Agentur - es war einer der ersten Aufträge, die wir bekamen, und wenn wir jetzt so kurz vor einer solchen Schatztruhe an Informationen zurückschrecken, wäre es eine Niederlage auf jeder Ebene, und auch ein schrecklicher Rückschlag unseres Rufs gegenüber der Magierakademie.

Bisher weigert sie sich dennoch jeglicher Aussage. Wenn wir es jetzt nicht schaffen, sie zur Aussage zu bringen, sehe ich mich gezwungen, gravierendere Maßnahmen zu ergreifen.

München, der 23.12.1975
Polizeichef Fleischer

AKTE JOSEF-05

Magdalene Willhelms stimmte nun nach zwei Tagen der Aussage zu. Es folgt ein Interview-Log.

Magdalene Willhelms: Warum wollen sie so sehr, dass ich von meinem Großvater erzähle?

Polizeichef Fleischer: Es ist uns einfach wichtig, herauszufinden, was damals geschah. Wollen Sie nicht selbst wissen, was mit ihren Eltern geschah?

Magdalene Willhelms: Es… es ist nun 60 Jahre her, dass ich an meine Großeltern übergeben wurde. Ich bin damals in der Blütezeit der Psychotherapie bis nach Österreich gereist, damit mir dort diese Therapeuten helfen, und… und mir wurde gesagt, ich soll mich damit abfinden, dass ich meine Eltern nie wieder sehen werde. Ich wollte anfangs nicht aufgeben, habe einen Privatdetektiv angeheuert, um meine Familie aufzuspüren. "Philipp Noir" nannte er sich, meine ich. Aber selbst er kam mit leeren Händen zurück! Warum also, warum also will die Polizei von mir sechs Jahrzehnte später von meinem irren Großvater erfahren?!

Polizeichef Fleischer: Wir haben Grund zur Annahme, dass von Eisner ein Verbrecher war. Es ist uns dementsprechend wichtig, zu erfahren, was mit ihm geschah. Ihre Informationen kann uns helfen, den Rest Ihrer Familie aufzuspüren.

Magdalene Willhelms: Nun gut. Ich merke, Sie werden mich nicht gehen lassen, bis ich Ihnen von meiner Zeit mit meiner väterlichen Familie erzähle.

Polizeichef Fleischer: Alles kann uns helfen.

Magdalene Willhelms: Ich erinnere mich wirklich nur dunkel an diese Zeit, auch weil ich ein Großteil davon verdrängt habe. Aber … aber, wir lebten alle in einer privaten Villa irgendwo in einem Wald in Franken.

Polizeichef Fleischer: Wo genau war diese Villa?

Magdalene Willhelms: Es schmerzt mich das zu sagen, aber ich weiß es nicht mehr. Es ist mir voll und ganz unklar. Ich weiß noch nicht einmal mehr, wie die Grundschule hieß, die ich damals besuchte.

Polizeichef Fleischer: Nun gut. Fahren Sie fort.

Magdalene Willhelms: Großvater war immer ein sehr… hitzköpfiger Mensch. Er war von seinem Wille getrieben, die Biologie so weit zu verstehen wie menschlich möglich. Dennoch hatte er eine Seite, von der keiner in der Familie wissen durfte. Der Dachboden war immer abgeschlossen, und noch nicht einmal mein Vater, mein Onkel oder sogar meine Großmutter durften den Dachboden betreten. Und… wir durften niemanden von unserer Villa erzählen. Sie wäre "geheim", unsere Adresse war offiziell irgendwo in Augsburg, und wenn wir gefragt werden, wo wir herkommen, sollten wir einfach nicht antworten. Besuch hatten wir nie, und wir durften auch nie Freunde nach Hause bringen…

Polizeichef Fleischer: Sagten Sie gerade Biologie?

Magdalene Willhelms: Ja. Großvater war Professor der Biologie an der Universität von München. Wussten Sie das nicht?

Polizeichef Fleischer: Doch, natürlich. Fahren Sie fort.

Magdalene Willhelms: Immer, wenn das Thema des Dachbodens fiel, wurde Großvater zu einem anderen Menschen. Das Leben verließ seine Augen, und er wurde ersetzt durch einen Dämonen. Er krächtze uns an, und sagte, dass uns das alle Nichts angeht. …eines Tages schlichen sich Leon und Hans in den Dachboden. Und… und… Gott…

Polizeichef Fleischer: Ich verstehe schon. Sie können den Teil gerne überspringen.

Magdalene Willhelms: Kann ich ein Taschentuch haben?

Polizeichef Fleischer: Nein.

Magdalene Willhelms: O-Okay… Jedenfalls… eines Tages klopfte die Polizei an unserer Tür. Großmutter wurde erstochen, und… und an dem Tag hat sich Großvater verändert. Er sperrte sich im Dachboden ein. Man hörte alle paar Tagen ein Rumpeln, man hörte in Fluchen, und an manchen Tagen verließ er wortlos die Villa und kam Tage später mit einem Sack wieder. Es sah so aus, als würde er einen ganzen Baum transportieren, aber es roch immer so… so abartig.

Polizeichef Fleischer: Und dann?

Magdalene Willhelms: Eines Tages sagte meine Mutter mir, dass ich nach der Schule von ihren Eltern abgeholt werde. Ich wurde noch nie von der Schule abgeholt, und ich kannte meine mütterlichen Großeltern zu dem Zeitpunkt überhaupt nicht… da war ich 10 Jahre alt… seitdem habe ich weder meine Mutter, noch den Rest meiner Familie jemals wieder gesehen. Ich wusste nie, wo ich damals herkam, erinnerte mich an überhaupt nichts, und konnte somit nie… nie danach suchen.

Polizeichef Fleischer: Ich verstehe. Vielen Dank.

Magdalene Willhelms: Wenn… Wenn Sie irgendetwas über meine Familie finden, informieren Sie mich dann darüber? Bitte?

Polizeichef Fleischer: Selbstverständlich.

Auf Magdalene Willhelms wurde ein Amnesiezauber angewendet, mit welchem sie die Ereignisse der letzten Tage vergas.

Zwar präsentierte sie einige interessante Anhaltspunkte was das Motiv angeht… aber dennoch haben wir nicht wirklich etwas grundlegend Neues gelernt.

München, der 25.12.1975
Polizeichef Fleischer

AKTE JOSEF-06

Wir haben gefühlt jeden Quadratzentimeter um München, Augsburg und Nürnberg abgesucht. Wir fanden nichts. Die Wälder sind Menschenleer. Dieser Mann hat doch tatsächlich seine Villa samt Einwohner in eine Taschen- oder Paralleldimension transportiert.

München, der 25.4.1976
Polizeichef Fleischer

AKTE JOSEF-07

So sehr es mich auch schmerzt, der Fall Von Eisner ist hiermit einzustellen. Nach über zwei Jahren der aktiven Suche haben wir nichts finden können.

Glücklicherweise gab es seit der Beauftragung der Magierakademie mehrere Erfolge in der Ahndung Parakrimineller Thaumaturgen. Somit ist die Niederlage im Fall von Eisner nur ein kleiner Rückschlag.

Ich wünsche Allen viel Glück bei dem Lösung weiterer Fälle.

München, der 11.5.1978
Polizeichef Fleischer

Anhang 3

Es folgen wichtige Auszüge der Tagebücher von Josef von Eisner, gefunden an seinem Leichnam.

  1. April 1899

Obwohl ich die Magierakademie und ihre Prinzipen doch sehr zu schätzen weiß, gibt es dennoch so manch eine Ansicht mit der ich mich fast täglich im Konflikt befinde. Das Prinzip der "verbotenen Zauber" halte ich für durchaus gefährlich. Wer entscheidet, welch Zauber als "verboten" gilt? Ist dies nicht weitaus mehr Macht, als eine Person jemals besitzen dürfte? Erneut fand ich mich heute in einem Streit mit Professorin Le Fey, über die Existenz solcher Zauber. Immer wieder beißt sich meine Ansichtsweise mit den Menschen der Münchener Akademie. Glücklicherweise bin ich als Professor und Mitglied des Protektanenrats in der Lage, mir "verbannte" Bücher auszuleihen. Von meiner Villa weiß hier niemand, dementsprechend können sie über mich munkeln so sehr wie sie wollen, ich kann in der Hinsicht tun und lassen was ich will. Der Dachboden dient als perfekter Ort zum experimentieren mit diversen Zaubern. Das einzige Hindernis sind meine Söhne und meine noch so eher nervige Frau. Die Zwillinge sind noch so jung, dass ich ihnen gut eintrichtern kann, niemals den Dachboden zu betreten. Aber bei meiner Frau mache ich mir besonders Sorgen - so sehr ich sie auch wertschätze und liebe, das Weib kann manchmal krächzen, da stillt sie nur die Faust.

  1. April 1899

Als erstes Experiment für sogenannten "verbotene Magie" (ein noch immer lachhafter Begriff) probiere ich den Zauber der Taschendimension. Ich benötige allerdings Ochsenblut. Wo bekomme ich das wohl schnell her?

  1. April 1899

Ich bin nun im Besitz des nötigen Ochsenbluts. Der Bauer der Nachbardörfer wird wohl schwer einem einzigen Ochsen nachempfinden. Und mich, einen Adeligen zu beschuldigen? Das wird er sich im Traum nicht trauen. Zum Schlachter hätte ich schlecht gehen können, ich habe einen Ruf zu schützen und will nicht als Adel bekannt sein, der Blut beim Schlachter kaufen muss. Zumal ich ungerne Geschäfte mit solch niederen Bauern mache.

  1. April 1899

Eine solche Taschendimension ist schon unfassbar traurig. Meinem schlimmsten Feind würde ich in einen solchen Ort nicht als Bestrafung schicken.

  1. Juli 1905

Theodor bekam nun endlich auch zwei Kinder. Leider sind es zwei Mädchen, und er ist überzeugt, dass es bei diesen Kindern bleiben soll. Versteht er denn nicht den Wert in der Gesellschaft, einen männlichen Nachfahren zu haben?! Dieses Spatzenhirn will auch nicht dazulernen, und von seiner Schnäpfe an Frau will ich garnicht erst anfangen. Leider ist er mittlerweile in einem Alter, wo ich nicht mehr die Faust gegen ihn erheben kann, ohne, dass er seine eigene Faust erhebt. Was ein Narr.

Fortschritte mit verbotenen Zaubern sind derweil überaus bemerkenswert. Der Nächste, eine Art kognitive Sperre, fordert leider einen höheren Preis. Ich werde zusehen, wo ich die Gegenstände auffinde.

  1. Juli 1905

Ich bin nun endlich in Besitz der nötigen Gegenstände für den Sperrzauber. Um die kleine Ulrike tut es mir zwar irgendwo leid, aber Theodor und Eva haben ja immerhin noch Magdalene. Zumal Theodor vielleicht hierdurch seine Lektion lernt? Unwahrscheinlich, da durch einen einfachen Amnesiezauber jedes Schandbalg dieser Familie Ulrike schon vergessen hat. Als hätte es sie nie gegeben. Für meine Versuche durchaus positiv, dennoch wünschte ich, irgendwo erinnere sich Theodor an sie, und trauert ihr nach. Dieser frauenaufreißende Batzenschmelzer hätte es verdient. Wer meint, eine solche Galeerenhure, eine Bauernstocher zu heiraten, hat in meinem Haushalt nichts verloren - dennoch ist es wichtig, meine gesamte Familie nah bei mir zu behalten… meine einzige Wahl ist es also, Eva wie die Dorffrau die sie ist zu behandeln.

  1. Juli 1905

Der Sperrzauber war erfolgreich. Ich sperrte Ulrike - oder das, was noch von ihr übrig war - in das Sperrfeld, und lud Theodor in den Dachboden ein. Ihm war zu keiner Zeit bewusst, was er sich gerade ansah. Genial. Morgen probiere ich das selbe, nur werde ich Eva mit einem Gaap-Amulett ausstatten. Wenn alles glatt läuft, dann wird sie erkennen, was sich im Sperrfeld befindet. Ich muss alles, für einen Amnesiezauber bereit halten…

  1. Juli 1905

Wie zu erwarten, war Eva in der Lage, die Überbleibsel ihrer Tochter zu erkennen. Vielleicht erkannte ein kleiner Teil in ihr auch, um wen es sich handelt? Jedenfalls sah ich mich gezwungen, sie das alles wieder vergessen zu lassen. Es wäre überaus schlecht, wenn Sie dem Rest der Familie von dem Ganzen erzählt. Ich sollte mich generell mehr meiner Familie zuwenden - so sehr sie mich auch nerven können, liegt mir sowohl Alois, als auch seine Frau Regina und die Zwillinge sehr am Herzen.

  1. August 1908

So traurig eine solche Taschendimension sein kann, was ich bereits vor einiger Zeit feststellen musste, habe ich meine wichtigsten Schriften in diese transportiert. Einerseits ist es mir dort einfacher, mich zu konzentrieren, andererseits besteht dort auch nicht die Möglichkeit, dass sich jemand aus meiner Familie ausversehen eine solche Schriftrolle ansieht, oder noch schlimmer, sie entwendet.

  1. August 1908

Mein neustes Experiment beinhaltet ein Ritual, in welchem ein Lebewesen völlig selbstständig jeglichen Stoffe im Körper produziert, die zum Überleben benötigt werden. Ich habe in einem Nachbardorf ein Lamm entwendet - erneut, der Bauer wird es wohl schwer in jeglicher Hinsicht vermissen, es ist nur ein einziges Lamm. Eins zu kaufen brauche ich nicht, dies würde nur wie bei dem Ochsenblut meinen Ruf schädigen. Um Lärm in der Villa zu vermeiden, werde ich das Lamm in der Taschendimension aufbewahren. Mal sehen - kann es tatsächlich Jahre von sich aus überleben?

  1. Dezember 1912

Erstaunlich. Vier Jahre später, und das Lamm ist noch lebendig. Eine andere Sache die mir auffällt, ist, daß sie in den Jahren kein Stück gealtert ist. Ist der Alterungsprozess verlangsamt? Interessant. Dies wurde nicht bei dem Ritual dokumentiert, allerdings wurde es auch seit mehreren hundert Jahren nicht mehr verwendet, und damals wurden Rituale noch nicht so extensiv dokumentiert. Nundenn! Trotzdem, ein voller Erfolg. Die Ziege - ich habe sie "Ulrike" getauft - kann weiter hier in der Taschendimension leben. Sie wird wohl für die absehbare Zukunft hier leben.

  1. März 1915

Heute Mittag, während sie in der Stadt war, um für mich nach Zubehör meines nächsten Versuchs zu besorgen, wurde mir meine Teuerste, meine Liebste, meine Geliebte von mir genommen. Von einem brutalen, wilden, Taschendieb. Anscheinend ein frustrierter Soldat, der gerade aus der Ostfront wieder nach Hause kam, weil er als zu "psychisch labil" eingestuft wurde. Ich schreibe diesen Eintrag mit zurückgehaltenen Tränen. Die Außenwelt ist eine gefährliche. Als Familienoberhaupt ist es meine Pflicht, meine Familie zu beschützen. Irgendwie war der Mord an meiner Frau ein Weckruf. Ich schicke meine Familie in die gefährliche Außenwelt, und gefährde sie Tag für Tag. Das kann nicht so weiter gehen. Das darf nicht so weitergehen.

  1. März 1915

Ich glaube, ich habe sämtliche Zauber, die ich für meinen Plan brauche. Ich werde meine Familie beschützen, einschließlich diejenigen, die ich bis heute nicht ausstehen kann. Sie sind dennoch Teil meiner Familie und benötigen meinen Schutz. Das einzige, was jetzt fehlt, sind die nötigen Gegenstände… Ich werde mich auf die Jagd begeben müssen.

  1. Mai 1915

Diese Hure hat mich das letzte Mal hintergangen! Meine Enkelin Magdalene ist fort. Und wer ist dafür verantwortlich? Richtig, die Bauernstochter! Ich wusste, dass ich sie niemals in meine Familie hätte aufnehmen sollen. Was habe ich mir nur dabei gedacht, damals bei der Hochzeit keinen Einspruch einzulegen? Warum konnte Theodor nicht wie sein Bruder einen anderen Adel heiraten? Ich verstehe nicht.

Ich werde sie nicht umbringen. Ich werde ihr nicht das Privileg geben, ins Nachleben zu kommen. Nein. Ich werde sie selbst bestrafen. Ich habe sie in meine Taschendimension entsandt - der einsamen, öden Insel mittem im Nirgendwo, in der schwarzen Leere, noch viel tiefer und leerer als die Seele dieses Dämons. Zustätzlich habe ich ihre Alterung verlangsamt, und Sie voll und ganz autark gemacht. Wie das Lamm, bei dem sie jetzt ist! Menschen wie sie sind genau das, wovon ich meine Familie schützen will! Verrote im Nirgendwo, du dreckige Hure! Dort bei ihr befinden sich zwar noch immer die Schriften der verbotenen Rituale, aber was wird sie, ein Bauerntulpel, schon damit anfangen können? Die Schriften richten sich an Großmeister wie mich.

  1. Mai 1915

Theodor verlangt, seine Frau zu sehen, oder zu erfahren, was mit seiner Frau passierte. Pah! Ich werde diesem möchtegern Adeligen nichts dergleichen erzählen! Seine Frau hat diese Familie verraten, und ich habe sie dafür bestraft. Jetzt hat Theodor genau das, was er verdient - pure Einsamkeit. Keine Frau, keine Kinder, und er wird auch nichts davon jemals wieder bekommen!

  1. Mai 1917

Endlich habe ich alles nötige gesammelt, um alle nötigen Zauber durchzuführen. Ich habe alle Mitglieder der Familie mit einem Gaap-Symbol gebrandmarkt, und der Autarkiezauber wurde auch auf alle ausgeführt. Gegen beide Dinge haben sie sich gewehrt, aber bald werden sie verstehen, dass es für ihr aller Wohl ist. Heute Abend werde ich den Sperrzauber anwenden, und an allen Ein- und Ausgängen die Baal-Symbole anbringen. Sie werden nie wieder diese Villa verlassen, und sie werden für immer sicher sein.

  1. Januar 201█

Warum riecht es hier nach Schwefel?

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Von: ed.pcs|snikpmohtkire#ed.pcs|snikpmohtkire
Betreff: Letzter Tagebucheintrag

Sehr geehrte Dr. Ainsworth,

Ich will ehrlich zugeben, dass der letzte Tagebucheintrag mir keine Ruhe gibt. Nicht nur gibt es zwischen 1917 und 201█ ein fast 100-Jahre großes Loch im Tagebuch, der letzte Eintrag ist am Tag von seinem Selbstmord. Er roch Schwefel und - aus völlig unbekannten Gründen - ging er nach Emskirchen und nahm sich dort das Leben, mit sämtlichen Gegenständen, die nötig sind, um seine Villa aufzufinden. Ich werde die Leiche nochmal genauer untersuchen. Ich habe irgendwie das Gefühl, dass wir hier etwas verpasst haben.

Ich werde Ihnen Bericht erstatten, sollte mir etwas an seinem Leichnam auffallen.

Ich wünsche ihnen noch einen schönen Tag,
— Dr. Erik Thompkins

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Von: ed.pcs|snikpmohtkire#ed.pcs|snikpmohtkire
Betreff: RE: Letzter Tagebucheintrag

Sehr geehrte Dr. Ainsworth,

Es ist mir tatsächlich gelungen, Spuren an Schwefel an den Fingerspitzen seiner Leiche festzustellen. Der Grund dessen ist mir aber noch relativ schleierhaft - könnten sie vielleicht weiterhelfen?

Ich wünsche ihnen noch einen schönen Tag,
— Dr. Erik Thompkins

Für: ed.pcs|snikpmohtkire#ed.pcs|snikpmohtkire
Von: ed.pcs|htrowsnialleb#ed.pcs|htrowsnialleb
Betreff: RE: RE: Letzter Tagebucheintrag

Sehr geehrter Dr. Thompkins,

Ich habe mich die letzten Wochen in das Buch der verbotenen Zauber und Rituale von SCP-294-DE-02 eingelesen. Schwefel wird bei Kontrollzaubern verwendet, bei welchen Magier andere Menschen fernsteuern.

Ich habe eine Theorie. Bitte kommen sie so schnell wie möglich in mein Büro.
— Dr. Bell Ainsworth

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Von: ed.pcs|htrowsnialleb#ed.pcs|htrowsnialleb
Betreff: Entwicklungen

Es gab Entwicklungen bei SCP-294-DE.
— Dr. Bell Ainsworth


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