SCP-1123 : Schädel des Grauens

Informationen

Name: Schädel des Grauens
Autor: Der Archivar
Bewertung: 2/2
Erstellt am: Tue Feb 27 2018
Objekt-Nr.: SCP-1123
Klassifizierung: Sicher

Sicherheitsmaßnahmen

Um eine Zersetzung von SCP-1123 und seiner Markierungen zu verhindern, muss es in einem hermetisch versiegelten Container in einer Argongas-Atmosphäre aufbewahrt werden, wenn es nicht getestet wird. Während Tests und Aufbewahrung sollte die Lichtaussetzung auf 50 Lux begrenzt werden, die Temperatur zwischen 20 und 24 Grad Celsius betragen und eine relative Feuchtigkeit von 55 % herrschen. SCP-1123 sollte nur in seinem Container transportiert und nicht außerhalb eines kontrollierten Experiments gehandhabt werden. Wenn es nicht getestet wird, wird es in einem sicheren, klimaregulierten Schrank in Standort 19 gelagert.

Beschreibung

SCP-1123 ist ein menschlicher Schädel, dem der Unterkiefer und all seine Zähne fehlen. Entlang des äußeren Squama frontalis ist moderne Khmer-Schrift, geschrieben mit menschlichem Blut, welche übersetzt “Erinnern” bedeutet. Sowohl Schädel, als auch Blut wurden mit Sicherheit auf das Jahr 197█ datiert und genetische Tests bestätigten, dass beide von demselben Individuum stammten.

SCP-1123 wurde 198█ von Colonel Hu ████ von der Vietnamesischen Volksarmee in einer Sammlung menschlicher Überreste im Besitz des ████ █████ ████████ Museums in █████ ████, Kambodscha, gefunden. SCP-1123 wurde von Agenten der Foundation abgefangen, als es nach Hanoi geliefert wurde.

Die Khmer Schrift ist stark verwittert und für die meisten Subjekte auf eine Entfernung von mehr als 5 Metern unsichtbar. Wenn sich ein Subjekt jedoch SCP-1123 nähert, berichtet es, dass die Schrift kontinuierlich besser sichtbar wird, bis sie, auf eine Distanz von weniger als 1 Meter, erscheint, als wäre sie frisch geschrieben worden. Einige Subjekte berichten auf diese Entfernung, dass das Geschriebene “noch immer feucht” ist. Dieser Effekt ist mit optischer Ausrüstung nicht reproduzierbar. Um die Schrift fotografisch aufzuzeichnen, erfordert es optische Verstärkung oder UV-Licht. (Letzteres ist nicht zur Verwendung mit SCP-1123 freigegeben, da es zur Verwitterung des Objekts beiträgt.) Subjekte werden auf diese Distanz oft auch von anderen anomalen, sensorischen Phänomenen berichten, einschließlich Gerüchen (wie kochendes Fleisch oder Asche), Geräuschen (wie leichtes Weinen, leises Herzklopfen oder Atmen oder entfernte Schritte) und Berührungen (wie Splitt in den Augen, über den Handrücken krabbelnde Ameisen oder Glassplitter in der Fußsohle).

Wenn Subjekte die Oberfläche von SCP-1123 berühren, erleben sie einen Zustand dissoziativer Fugue. Die Initiation dieses Zustands erscheint umgehend zu sein und wird nicht von der Beendigung des Kontakts mit SCP-1123 beeinflusst. Symptome der Fugue bestehen für neunzig Minuten bis sechs Stunden. Die Fugue wird charakterisiert durch Verwirrung, Orientierungslosigkeit und das Annehmen einer neuen Identität und neuer Erinnerungen, welche aus Wissen bestehen, welches Sprache beinhaltet, die das Subjekt zuvor nicht kannte. Während der Fugue wird das Subjekt jegliche Erinnerungen seiner vorhergehenden Identität verlieren. Subjekte haben hierauf unterschiedliche Reaktionen gezeigt, von einem nahezu katatonischen Zustand bis hin zu Flucht oder Angriffen auf Personal der Foundation. Wenn der Zustand der Fugue abklingt, erlangt das Subjekt die Erinnerungen seiner vorhergehenden Identität zurück, doch wird es ebenso die Erinnerungen der neuen, eingeprägten Identität behalten, einschließlich allen Wissens, das damit zusammenhängt. Subjekte sagten, dass es war, “als hätten sie ein anderes Leben als eine andere Person” gelebt, in der Zeit zwischen dem Berühren von SCP-1123 und dem Erholen von der Fugue.

Befragungen nach der Fugue haben für Forscher genug erhärtende Informationen in ███ von ███ erforschten Fällen geliefert, um historische Dokumentationen zu finden, die bestätigten, dass die eingeprägte Persönlichkeit mit einem spezifischen Individuum korrespondiert, das zu einer Zeit vor dem Subjekt gelebt hat. Es scheint keine Verbindung zwischen dem Ursprung der eingeprägten Persönlichkeit und der Identität des Subjekts basierend auf Alter, Genealogie, Geschlecht, Ethnie oder nationale Abstammung zu geben.

Eingeprägte Persönlichkeiten verfügen einheitlich über die folgenden Charakteristiken:

Subjekte durchleben keine offensichtlich anomalen Nachwirkungen aufgrund der Aussetzung, doch zeigen psychologische Effekte, die für die Art von Trauma üblich sind, die die eingeprägte Persönlichkeit erlebt hat. Trauer, Überlebenden-Syndrom und Depressionen sind typisch. Suizidale Tendenzen sind selten, doch traten in einem kleinen Teil der Fälle auf. Es sollte darauf hingewiesen werden, dass sich bei der Behandlung dieser Nachwirkungen die Verwendung von Amnesika nicht als psychologisch vorteilhaft erwiesen hat, und dass sie sich oft als schädlich herausstellten.

Experimentprotokoll 1123-A

Test 0003

Datum: ██.██.19██

Subjekt: Weißer Mann mit irischer und französischer Abstammung. Alter in seinen späten 30ern.

Prozedur: Subjekt nähert sich SCP-1123 und erhält Anweisung, es zu berühren.

Ergebnisse: Subjekt kollabiert bei Berührung des Schädels und beginnt auf armenisch zu schreien. Greift Doktoren der Foundation an, als sie versuchten, ihm zu helfen, und nannte sie “türkische Schlächter”. Subjekt wird sediert und Orientierungslosigkeit lässt nach zwei Stunden nach. Nachfolgende Befragungen identifizieren die eingeprägte Persönlichkeit als armenischen Farmer, der zusammen mit ungefähr 150 anderen Einwohnern seines Dorfes von der Ottoman-Armee 1915 bei lebendigem Leibe verbrannt wurde. Es existieren keine Aufzeichnungen von dem Individuum, doch wurde das Ereignis 1919 den Malta-Tribunalen nach dem ersten Weltkrieg in einem Affidavit präsentiert.

Test 0508

Datum: ██.██.19██

Subjekt: Asiatische Frau mit chinesischer Abstammung. Alter in ihren frühen 60ern.

Prozedur: Subjekt nähert sich SCP-1123 und erhält Anweisung, es zu berühren.

Ergebnisse: Subjekt äußert Verständnis, ehe es SCP-1123 berührt. Nachdem es SCP-1123 berührt, bewegt sich das Subjekt für fünfzehn Minuten nicht. Danach setzt sich das Subjekt auf den Boden und ist für zwei weitere Stunden nicht ansprechbar. Als der Zustand der Fugue abklingt, wird das Subjekt sichtbar verstörter und beginnt zu weinen. Anschließende Befragungen identifizieren die eingeprägte Persönlichkeit als 16 Jahre altes ukrainisches Mädchen, welches Ende 1932 an einer Kombination aus Unterernährung und den Nachwirkungen von Vergewaltigung und Schlägen durch Mitglieder der sowjetischen Jugendbrigade verstarb, welche beauftragt war, Korn vom ukrainischen Bauernstand zu konfiszieren.

Test 1157

Datum: ██.██.20██

Subjekt: Weibliche Latina mit kubanischer Abstammung. Alter Mitte 40.

Prozedur: Subjekt nähert sich SCP-1123 und erhält Anweisung, es zu berühren.

Ergebnisse: Vor dem Berühren von SCP-1123 beschwert sich das Subjekt über Rauch, der seine Augen reizt. Subjekt berührt SCP-1123 und stellt jegliche Bewegung und Reaktion für eine Dauer von fünfundzwanzig Minuten ein. Nach fünfundzwanzig Minuten endete der Zustand der Fugue, doch berührte das Subjekt noch immer SCP-1123. Subjekt wehrt sich nicht, als es von Personal der Foundation aus dem Testareal eskortiert wird. Nach einer Woche, die das Subjekt nicht auf Befragungen reagierte, lieferte es Informationen über die eingeprägte Persönlichkeit. Die Einprägung war von einer polnischen Frau jüdischer Abstammung, welche 1942 in dem Todeslager in Treblinka starb.

Test 1815

Datum: ██.██.20██

Subjekt: Schwarzer Mann mit haitischer Abstammung. Alter in seinen frühen 20ern.

Prozedur: Subjekt nähert sich SCP-1123 und erhält Anweisung, es zu berühren.

Ergebnisse: Vor dem Berühren von SCP-1123 beschwert sich das Subjekt über einen “chemischen Geruch” und extremes Jucken seiner Extremitäten. Subjekt berührt SCP-1123 und beginnt umgehend zu husten. Der Hustenanfall klingt ab und das Subjekt zeigt Verwirrung und Verzweiflung, doch scheint beruhigt, als es bemerkt, dass das anwesende Personal der Foundation amerikanisch ist. Subjekt kommuniziert einen Sorani-Dialekt des Kurdischen, wie er in Iraqi Kurdistan gesprochen wird. Fugue klingt nach 60 Minuten ab. Befragungen identifizieren die eingeprägte Persönlichkeit als ein 85-jähriges Opfer eines Senfgasangriffs während der Anfal-Kampagne des Iraqi-Regimes in 1989. Notiz: Erstes Vorkommen einer eingeprägten Persönlichkeit, die nach dem Ursprung von SCP-1123 stattfand.

Schlussfolgerungen: Nach bis dato ████ Tests begann sich ein statistisches Muster zu zeigen. Die Wahrscheinlichkeit, dass ein Subjekt die Einprägung eines bestimmten historischen Ereignisses erhält, ist grob proportional zur Anzahl der Opfer, die diesem Ereignis zugeordnet werden können. Beispielsweise entspringen ██ % der Einprägungen dem Großen Sprung Vorwärts des kommunistischen Chinas zwischen 1958 und 1961, ██ % der Einprägungen stammen von den Vernichtungsbemühungen Nazi-Deutschlands zwischen 1939 und 1945, während nur █ % von Ereignissen wie dem armenischen Genozid oder der Iraqi Anfal-Kampagne stammen, deren Anzahl an Todesopfern nur zwischen geschätzt 1 und 2 Millionen liegen.


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