SCP-8091 : Pyrophobie: Brenn Mit Mir

Informationen

Eine während der Untersuchung geborgene Aufnahmen.

Name: Pyrophobie: Brenn Mit Mir
Autor: Karpfisch
Bewertung: 4/4
Erstellt am: Fri Jan 31 2025

Das Subjekt muss gänzlich von der Feuerbrunst verschlungen werden.
Objekt-Nr.: SCP-8091
Klassifizierung: Keter

Sicherheitsmaßnahmen

Die Eindämmung von SCP-8091 ist gegenwärtig nicht umsetzbar. Sollte ein eintreffendes SCP-8091-Ereignis festgestellt werden, ist die Anomalie mittels Deckgeschichte-3049-SDLO ("Gewöhnlicher Waldbrand") zu diskreditieren. Falls nötig, sind Foundation-Agenten zum Ort des Geschehens zu entsenden, um bei der Brandbekämpfung zu assistieren. Der Agnes.aic Webcrawler der Foundation hat das Internet auf jegliche Erwähnungen der Anomalie abzusuchen. Alle Erwähnungen dieser Art sind zu entfernen, bevor sie an das in Standort-270 befindliche Forscherteam für SCP-8091 weitergeleitet werden.

Die gegenwärtige Studie ist unterteilt in zwei Ziele. Die Abteilung für Thermodynamik trägt die Verantwortung für die Analyse der genauen Mechanismen der von SCP-8091 verursachten Flammen, während die Abteilung für Analytik versucht, eine vollständige Liste aller Auslöser und Gegebenheiten für ein SCP-8091-Ereignis zu erstellen. Diesem Projekt wurde die Prioritätsstufe EKHI zugeschrieben.

Beschreibung

SCP-8091 bezeichnet ein anomales Phänomen, bei welchem ein Feuer viel heißer und länger brennt, als es die grundlegende Thermodynamik vermuten lässt. SCP-8091 tritt auf, wenn eine Reihe von Bedingungen und Szenarien zutreffen. Obwohl die vollständigen Voraussetzungen noch untersucht werden, wird angenommen, dass sie die folgenden umfassen:

  • Das Feuer muss von mindestens einem menschlichen Subjekt ausgelöst worden sein;
  • Das Ereignis muss mehrere Gegenstände mit persönlichem Wert für das Subjekt verbrennen;
  • Das Feuer muss mit einer Art Brandbeschleuniger, für gewöhnlich Kerosin, hervorgerufen worden sein;
  • Große Mengen Feuerholz und andere Brennstoffe müssen verfügbar gemacht werden;1
  • Das Subjekt muss gänzlich von der Feuerbrunst verschlungen werden;

Sobald die Flamme entzündet wurde, wird das Ereignis fortschreiten. Aufgrund der Tatsache, dass alle SCP-8091-Ereignisse im Tod ihrer Verursacher sowie Massenschäden der näheren Umgebung mündeten, ist unklar, was darauf folgt.

Anhang — Dokument-02/07/2009-SCP-8091

Das Folgende ist eine Nachschrift eines Manuskripts, das in dem Herz des anstiftenden Subjekts eines SCP-8091-Ereignisses, welches am 02.07.2009 in Victoria, Australien geschah, geborgen wurde.

Lasse das Auto hinter dir. Lass die Straße hinter dir. Lass alle Spuren von Zivilisation hinter dir, während du in den Wald gehst. Du bist alleine, einmalig. Ein Pilger. Die Herbstblätter knirschen unter deinem Fuß. Du kannst Vogelgezwitscher vernehmen.

Du wirst im Dunkeln verweilen, doch die Wärme und das Licht werden dich leiten. Du wirst wissen, wohin es geht. Halte an, sobald du eine Lichtung erreichst. Jetzt dauert es nicht mehr lange.

Es beginnt bei Sonnenaufgang, wenn der Himmel rot ist. Du wirst es fühlen vor dem Sehen, wenn der Planet abermals von dem großen Auge, das über uns wacht, erwärmt wird. Die Hitze erfüllt dich mit Bestimmung. Es ist Zeit, zu beginnen.

Ordne die Opfergaben in einem Kreis um dich herum an. Schmiere mit Farbe und Holzkohle auf dem Boden. Grabe ein Loch, wenn du magst. Bringe reichlich Zündhölzer und Öl. So viel, dass du dich bereit fühlst. Wenn du das hier wirklich anständig machen willst, wirst du all deine Wertgegenstände mitgebracht haben. Antiquitäten und Bücher. Bilder deiner Familie. Ehepartner und Kinder, solltest du welche haben. Alles, was du jemals hattest, was dir jemals etwas bedeutet hatte, muss der Glut übergeben werden. Es ist der einzige Weg.

Aber gib auch wertlosen Müll hinzu. Kaputte Puppen und Zeitungen, die nie wieder jemand lesen wird. Produkte mit fehlenden Teilen, die welcherlei vorgebliche Funktionalität, die sie irgendwann womöglich hatten, entfernen. Erinnere dich auf diese Weise, dass alles aufflammt und nichts abseits des Infernos von Bedeutung ist. Es gibt keinen Unterschied zwischen unbezahlbaren Erinnerungen und staubigem Müll.

Deswegen machst du das hier.

Du bist hier, weil du fast nichts zu verlieren hast. Du warst schon immer die Art Mensch, die Dinge auf den Altar wirft. Geld, Personen, Hoffnungen, Träume. Es ist alles dasselbe. Das Feuer hat nach dir gerufen, schon immer. Dir gesagt, näher und näher zu kommen. Es gibt nur noch eine letzte Sache, die herzugeben ist.

Fürchtest du dich? Das solltest du. Die Feuerbrunst sollte angst- sowie ehrfurchterregend sein. Vergiss das niemals. Bereite dich auf ihr Kommen vor.

Zünde zuerst eine Zigarette an und drücke sie anschließend in dein Fleisch. Arm, Rumpf, Kopf, Genick. Alles wird funktionieren. Es sticht und sofort formt sich eine weiße Quaddel. Der Schmerz ist nötig. Bewege das Feuer tiefer in dich hinein. Presse es tief in dein Innerstes. Entfache den Tabak erneut, wann immer er erlischt. Dann drücke ihn tiefer hinein.

Tu es wieder und wieder, bis es sich gesund anfühlt.

Diese Opfergabe hat zahllose Jahrtausende überdauert. Du stehst auf den Schulterblättern von Giganten. Kalanos. Die Alten Gläubigen, jene, die das Samosozhigateli durchlitten. Fayu. Die Charanen. Die Rajputs. Zarmanochegas. Selbst der Erlöser. Jesus starb nicht am Kreuze, denn rein das Feuer ist wahrlich der Göttlichkeit mächtig. Nur der Schmerz des Brennens kann die Sünden der Welt vergüten. Ixion brennt, auf dass wir leben können. Besinne dich dem. Sie alle taten, was du jetzt zu tun hast. Danke und bereite dich darauf vor, ihnen im Nachleben beizuwohnen.

Dich selbst lebendig zu verbrennen, bedeutet, deinen Körper, dein Leben, in einen Haufen Asche zu verwandeln. Sich selbst zu vergöttlichen. Ein Lagerfeuer aus Hoffnungen und Träumen. Jedes einzelne Atom deines Körpers wird in Brand versetzt, während du dich der Flamme, einer bedeutsameren Bestimmung, hingibst. Du verpflichtest dich Gott gegenüber. Aber andererseits denkst du, während du brennst, während du dich opferst, nicht an so etwas. Du denkst nur an die Hitze, frei von jeglichem Trost oder Glück, als sie dich umbringt. Du kannst nicht einmal atmen, während der Rauch deine Lungen füllt und du kannst nirgendwo hinlaufen, denn das Feuer ist auf dir. Es ist überall.

Klingt das nicht wunderschön?

Atme tief durch. Es ist das letzte Mal, dass du es ohne das Opfer des Rauches, der deine Lungen erfüllt, tun wirst. Du bist bereit.

Verschütte das Kerosin. Entzünde die Streichhölzer.

Deine Haut entflammt sogleich in einer Einfassung aus Schmerz und Schwärzung. Das Öl fängt Feuer. Dein Unterkörper ist zuerst dran, umhüllt von Hitze. Deine Beine taumeln und fallen darnieder.

Während du es hinauf- und herabkriechen fühlst, schießt dir nur ein Gedanke durch den Kopf. Nur eine einzige Realität. Du brennst, du brennst, du brennst, du brennst, und es schmerzt so sehr. Es gibt kein schlimmeres Leid als jenes, das du gerade erfährst.

Du sinkst sofort zusammen, erlaubst dem Feuer sein Festmahl. Die von dir erbrachten Opfer sorgen für ein gutes Anmachholz. Das letzte Foto von dir und deiner Mutter zuerst, dieser kostbare Moment wird im Nu hungrig verzehrt. Wie wertvoll war er wirklich?

Als Nächstes der Wald, wobei die Bäume erschwärzen und nacheinander hernieder fallen. Sie fügen Brennstoff in einem kaskadierenden Muster hinzu, das sich weiter und weiter erstreckt. So was hast du noch nie zuvor gesehen. So was hast du schon mal geträumt.

Wildtiere werden ebenso von dem Inferno erfasst und ihre Schreie stimmen mit dir in den Chor ein. Sie nehmen das Abendmahl mit dir ein und ersticken an dem dichten und schwarzen Qualm. Sie sind ebenso verloren wie du.

Bei einer bestimmten Temperatur schmelzen deine Nerven und die Pein endet. Das Empfinden ist im Angesicht unfasslicher Schmerzen verloren. Es gibt eine Obergrenze für die Qual, die dein Körper erleben kann. Doch geschieht das nicht hier. Du bist während jeden Augenblickes gemarterter Glückseligkeit hellwach, während die Welt schmilzt. Du kannst das Knistern des Holzes hören. Du kannst es verstehen.

Dir ist so warm. Du wusstest nie, wie kalt dir war. Wie unerfindlich frostig. Das Inferno hält dich in seiner warmen Umarmung. Es erzählt dir Wahrheiten, die du zu verstehen gedachtest. Kein Judentum oder Buddhismus oder Sozialismus oder Atheismus oder Kapitalismus oder Sikhismus könnte sich mit dieser Hitze vergleichen. Kein falsches Idol könnte das jemals.

Dies ist der einzig wahre Gottesdienst. Der älteste Gottesdienst. Der Gottesdienst, welcher in den tiefsten Höhlen und dunkelsten Gruben stattfand, lediglich erleuchtet durch die Flammen der Feuerbrunst. Die Altäre des Moloch. Dich ganz und gar deinem Gott zu verfüttern, ist der einzige Weg, deinen Glauben zu bekunden. Du weinst nun und die Hitze verweigert dir sogar diesen Trost, denn es verschlingt all deine Tränen. Es schmerzt so sehr. Dritter Grad, Kelvin, Skalen von 1 bis 10; nichts kann die Empfindungen begreifen, denen du ausgesetzt bist.

Aber im Ernst, du weißt, dass du das hier verdienst. Das hast du dir selbst angetan, richtig?

Du solltest dir vergegenwärtigt haben, dass es hier keine Liebe gibt. Dies ist nicht eine liebevolle und gütige Gottheit. Dies ist ein wohlwollender Hass, ein nötiges Leid. Dies ist der apathische Sadismus der Trostlosigkeit. Das hättest du niemals vergessen sollen.

Hast du je von der stellvertretenden Sühne erfahren? Es ist eine Lüge. Gott ist nicht käuflich. Sein Appetit kann nicht durch bloße Wertlosigkeiten befriedigt werden. Früher hat sich Gott mit dem Stier begnügt, aber jetzt will Es Yitzchak. Es wollte schon immer Yitzchak, ein alles verzehrender Hunger.

Und nun will es dich. Begrüße es mit offenen Armen. Erkenne, was du im Antlitz einer solchen Majestät bist.

Du bist unreiner Unflat. Du bist eine eitrige Pustel aus schönen Sünden, bedeutungslosen Hoffnungen und miserablen Begierden, und das einzige, was läutert, ist das Inferno. Ausbrennen ist der einzige Weg. Schneide die Krankheit heraus und verbrenne die Infektion.

Du hast alles in deiner Macht Stehende getan. Du hast den Qualm und Weihrauch heraufgeschickt. Diese glorreiche Symphonie aus Öl und Benzin. Du hast es fast geschafft.

Die Trostlosigkeit hat alles verschlungen. Es gibt keine Bäume mehr. Es gibt kein Vogelgezwitscher mehr. Es gibt nur die Sonne, endlich ganz nah. Endlich begreifbar. Womöglich versuchst du das Schreien ein letztes Mal, doch der Rauch und das Knistern verschlucken jeden Ton, bevor du ihn machst.

Die Feuerbrunst küsst dich mit roten und orangefarbenen Zungen. Die Farben so schön und rege, dass du dir wünschst, sie gänzlich zu sehen. Deine Augen sind bereits geschmolzen und rinnen dein Gesicht wie Freudentränen hinab. Die Haut ist längst von deinen versengten Knochen abgeblättert und dein verkohltes Skelett zurückgelassen, doch das ist in Ordnung. Du kannst jetzt lächeln. Das hast du dir verdient. Nach all der Zeit ist der Tag endlich gekommen. Du wurdest wahrhaftig erlöst.

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